Das Rumänienprojekt des Hamburger Singewettstreits
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Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. ( Matth. 25, 40 )
Im Jahr 1990, gleich nach der Wende, wurde für In- und Ausländer gleichermaßen erst das Ausmaß der Mißstände in den staatlichen Waisenhäusern und Heimen für geistig behinderte Kinder offenbar. Die Berichte des "Spiegel" über das Kinderheim in Cighid und Fernsehreportagen in allen westeuropäischen Ländern lösten eine wahre Welle der Hilfsbereitschaft aus. Das evangelische deutschsprachige Pfarrhaus von Alba Iulia, wurde über Nacht zur Kontaktadresse für viele Hilfswillige aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die Hilfe dieser Gruppen konzentrierte sich auf ein Heim für geistig behinderte Jungen in dem abgelegenen Bergdorf Coltesti, etwa 60 km von uns entfernt. Nachdem parallel verlaufende Initiativen, das Haus zu renovieren, eine Wasserleitung zu legen, Container als Wohnraum für die 45 Kinder aufzustellen u.a.m. an den Gegebenheiten des Ortes und der Kooperationsunwilligkeit der Behörden scheiterten, gelang es Pfarrer Gerhard Wagner, die Gruppen zu bündeln und das zur Verfügung stehende Kapital nach einem einheitlichen Konzept einzusetzen. Im Mai 1991 wurde ein Hilfsverein als gesetzlicher Träger gegründet (aufgrund eines noch existierenden Gesetzes von 1924) , der Häuser in der Stadt kaufte, mit einer Handwerkerkolonne diese umbaute und einrichtete, Betreuer und Betreuerinnen einstellte, und zwischen September 1991 und Februar 1992 wurden alle Kinder aus Coltesti in 5 Häuser mit je 6-10 Kindern umgesiedelt. In Zusammenarbeit mit dem "Kreisinspektorat für Behinderte" des Landkreises Alba wurde das Heim "Bethesda" aus der Taufe gehoben. Dieses Kinderheim funktioniert nun, als einziges in Rumänien, als sowohl staatliche als auch private Einrichtung. Es finanziert sich zu etwa 60 % aus den Tagessätzen für die Kinder, für die restlichen 40% kommt der Diakoniaverein auf. Dieser Verein bezieht seine Einkünfte aus Spenden aus dem Ausland. Mit dem Bau und der Inbetriebnahme einer Bäckerei und einer Mühle, ebenfalls Spenden aus Deutschland, wird versucht, auf lange Sicht eine Einnahmequelle zu sichern, die ihn überleben läßt, auch wenn die Spenden aus dem Ausland nachlassen oder wegfallen. Im Laufe der Jahre hat sich der Verein aber, neben der Erhaltung und Sicherung des Kinderheims, auch anderen Aufgaben zugewandt. Ein wichtiger Schritt war die Übernahme der Personalkosten eines Evangelischen Altenheimes in der Gemeinde Scholten, das durch die Abwanderung des dortigen Pfarrers führerlos geblieben war. In diesem Heim "Peter und Paul" finden hauptsächlich alte Menschen Aufnahme und Pflege, die keine Angehörigen haben, oder deren Angehörige im Ausland wohnen, die sich aber nicht dazu entschließen können, ihre angestammte Heimat zu verlassen und nach Deutschland auszuwandern. Parallel dazu finanziert der Verein aber auch Gemeindeschwestern, die pflegebedürftige alte Menschen zuhause versorgen, solange dies möglich ist. Einen großen Teil der Arbeit macht auch die Sozialstation vor Ort aus. Die Armut und Not gerade unter alten Leuten mit kleinen, oder gar keinen, Renten, und von kinderreichen Familien ist groß. Sechs Sozialarbeiter bemühen sich darum, in solche Notsituationen einzugreifen, sei es mit Kleiderspenden, mit Medikamenten, mit Transportmöglichkeiten zum Krankenhaus und nach Hause, mit ambulanter Krankenpflege, Vermittlung von Gehhilfen und Rollstühlen, mit Behördengängen, Einkaufen und Ausfahren von Essen auf Rädern. Auch bemüht sich der Verein, in besonders dringenden Fällen Medikamente aus dem Ausland zu besorgen, die bei uns nicht erhältlich sind. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Einrichtung der Tagesstätte "St. Joseph" für behinderte Kinder. Am 1.03.1997 konnte das Haus eröffnet werden. Es beherbergt Therapieräume und Werkstätten, in denen nicht nur die Bewohner des Kinderheimes Bethesda, sondern - und das war wichtig! - auch solche Kinder gefördert und beschäftigt werden, die in ihren Familien gepflegt werden und bisher keinerlei pädagogische Betreuung hatten. Diese Familien sind für die ihnen gebotene Hilfe und Entlastung besonders dankbar. All diese Tätigkeiten gründen auf dem Gebot der christlichen Nächstenliebe. Tägliche ökumenische Morgenandachten - das Personal gehört allen bei uns vertretenen christlichen Konfessionen an - und gemeinsame Gottesdienste von Personal und Betreuten versammeln alle um das Wort Gottes und führen sie immer wieder dahin zurück. Das alles kostet natürlich auch Geld. Wir sind dankbar für jede Spende, die wir bekommen, und dankbar dafür, daß es immer wieder Menschen gibt, die uns in unserer Arbeit unterstützen und uns mit guten Gedanken und Wünschen begleiten.
Mit freundlichen Grüßen,
i.A. Irmgard Wagner